Der Weg zu grünen Rechenzentren

Das Internet verbraucht enorm viel Strom und befeuert damit auch die Klimakrise. Rechenzentren spielen dabei eine zentrale Rolle. Das Wirtschaftsministerium hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Rechenzentren nachhaltiger machen soll.

Rechenzentren in Deutschland sorgen für einen jährlichen Ausstoß von gut sechs Millionen Tonnen CO₂. Das ist mehr als das Doppelte der Emissionen des innerdeutschen Flugverkehrs. 2020 hatten die Rechenzentren einen Stromverbrauch von etwa 16 Milliarden Kilowattstunden. Bis 2030 könnte sich diese Zahl verdoppeln. Laut dem Koalitionsvertrag der Ampel sollen die Rechenzentren in Deutschland bis 2027 klimaneutral werden. Wie das funktionieren soll, will die Bundesregierung im Energieeffizienzgesetz festlegen. Der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) wird aktuell diskutiert.

Abwärmenutzung wird verpflichtend

Damit Rechenzentren nicht zu heiß laufen, müssen sie gekühlt werden. Dabei entsteht Abwärme, die meistens einfach in die Umwelt abgegeben wird. Doch anstatt zu verpuffen, lassen sich damit beispielsweise Gebäude beheizen. Das ist im Ausland durchaus schon gängige Praxis, etwa in Schweden. Wenn es nach dem BMWK geht, sollen größere Rechenzentren hierzulande die Abwärme ab 2028 vollständig wiederverwenden müssen. Außerdem müssen Rechenzentren der zuständigen Kommune und dem Betreiber des nächsten Wärmenetzes mitteilen, wie viel Abwärme sie zu welchem Preis zur Verfügung stellen können.

Der Branchenverband Bitkom geht davon aus, dass etwa 350.000 Wohnungen in Deutschland von Rechenzentren beheizt werden können. Noch weiter reicht eine Prognose des eco-Verbands: Demnach reicht die Abwärme der Rechenzentren im weltgrößten Internetknotenpunkt Frankfurt am Main sogar für alle Büro- und Wohngebäude der Stadt. Frankfurt hat über 400.000 Privathaushalte.

Technische Probleme lösen

Es muss jedoch jemanden geben, der die Abwärme tatsächlich abnehmen und verwenden kann. In 56 Prozent der Fälle gaben Betreiber an, es hätte sich kein Abnehmer gefunden. Wärmenetzbetreiber wie Stadtwerke wollen die Abwärme oft gar nicht haben, teilweise fehlt auch die nötige Infrastruktur. Bitkom und eco fordern daher, dass Wärmenetzbetreiber verpflichtet werden, Abwärme abzunehmen. Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) pocht darauf, dass klimaneutrale Wärme vorrangig gegenüber Wärme aus fossilen Quellen, etwa Erdgas, ins Netz eingespeist wird. Solche Vorgaben sieht der Entwurf bislang nicht vor.

Weitere Infos und Entwurf im Volltext: netzpolitik.org

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