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Arbeitgebervereinigung für Unternehmen
aus dem Bereich EDV und Kommunikationstechnologie e. V.

DienstAGEV - 30. Kalenderwoche 2020

Liebe Leserin,
lieber Leser,

eine nach verantwortbaren ethischen Kriterien für 7 € importierte Jeans hielt Entwicklungsminister Gerd Müller in der Hand, als er in der letzten Woche gemeinsam mit Ministerkollege Hubertus Heil die neuesten Ergebnisse der Umfrage des Nationalen Aktionsplans (NAK) zur Einhaltung von Menschenrechten in der Produktion von Zuliefererbetrieben deutscher Unternehmen vorstellte. Die gleiche Hose koste ohne Rücksicht auf Menschenrechte im Einkauf 5 €, wie er dazu ausführte.

Es leuchtet jedem ein, dass es an den zwei Euro Differenz nicht scheitern darf, aber wie schafft man es, Produktionsabläufe und Lieferketten in diese Richtung zu bewegen? Der Minister mit dem weltberühmten Namensvetter, der wohl der profilierteste seiner Zunft seit Bestehen dieser Funktion sein dürfte, hat sich überparteilich mit dem durch Corona auch im Ansehen gestiegenen Arbeitsminister zusammengetan, um im Unterschied zur Position von Wirtschaftsminister Altmaier ein Gesetz zur Unternehmenshaftung für Lieferketten auf den Weg zu bringen, zunächst für Betriebe mit mehr als 500 Arbeitnehmenden.

Eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen, doch hatte unternehmerische Freiwilligkeit bisher nicht funktioniert und soll deswegen in ein Gesetz gegossen werden. Das Mantra des AGEV-Vorstandsvorsitzenden Leonhard Müller lautet seit jeher, dass man Produktion nur dann ins Ausland verlagern darf, wenn gewährleistet ist, dass den Arbeitnehmenden die gleiche Menschenwürde zuteil wird wie bei uns. Dazu zählen nach seinen Aussagen auch eine in Schritten immer besser werdende Bezahlung, Arbeitsschutz und sinkende Arbeitszeiten sowie die Einhaltung verschärfter Umweltvorschriften.

Die großen Wirtschaftsverbände, allen voran BDI und BDA, sind gegen das Vorhaben, während viele große Konzerne wie z. B. REWE, Tchibo oder Nestlé schon viel weiter sind als manche Verbandsvertreter und sich für eine gesetzliche Regelung ausgesprochen haben. Aber es bleibt kompliziert: Wie soll man für die Zulieferer der Zulieferer seines Zulieferers haften können, wenn es bei bestimmten Produkten Hunderte in undurchsichtigen Strukturen davon gibt? Hier zeigt sich eine der Kehrseiten der grenzenlosen Globalisierung.

Es liegt also noch viel Kärrnerarbeit vor den Protagonisten, bis bundesweit oder besser in der EU, wo die Arbeiten bei Justizkommissar Reynolds auch angelaufen sind, eine praxistaugliche Regelung gefunden sein wird. Für die kleinen und mittleren Unternehmen sehen wir, ganz abgesehen von ihrer moralischen Mitverantwortung, durchaus Chancen, von verschärften Regeln zu profitieren, weil sie aufgrund größerer Nähe zu ihren Geschäftspartnern mit ethischer Unbedenklichkeit werben, sich von Onlineshops, die ohne Zertifizierung auftreten, absetzen und damit höhere Preise und ein besseres Gefühl beim Verbraucher erreichen könnten.

Bei Minister Müllers Jeans waren es zwar nur zwei Euro, aber hochgerechnet auch 40 % mehr Ertrag für die Zulieferer, insofern ein guter Anfang auf niedrigem Niveau. Er schenkte die Hose mit Größe 52 übrigens Peter Altmaier, der weitere Verbleib ist nicht überliefert.

Herzliche Grüße

Ihr

Franz J. Grömping

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Coronavirus FAQ

Christian Solmecke, bundesweit bekannter Rechtsanwalt und Partner der Kölner Kanzlei WBS und Kooperationspartner der AGEV, beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Themen „Veranstaltungen“, „Was darf der Staat“, „Arbeitsrecht“, „Reisen“ und „Events“.


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Berichte vergangener Veranstaltungen

Bitcoins und das Klima

23 Mio. t CO2

wurden im Jahr 2018 weltweit für die Produktion von Bitcoins die Luft geblasen, ungefähr so viel wie das Land Sri Lanka insgesamt emittiert hat.

Wird durch die Nutzung von Bitcoins auf der anderen Seite auch soviel CO2 wieder eingespart? Eine spannende Frage, die zumindest zz. noch mit einem klaren Nein beantwortet werden muss.

Quelle: Fachzeitschrift "Joule"


Altersvorsorgepflicht

Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sieht die Einführung einer Altersvorsorge-pflicht für Selbstständige vor, die nicht bereits pflichtversichert sind. Über die Bundesarbeits-gemeinschaft Selbstständigen-verbände (BAGSV) nimmt die AGEV an der Diskussion teil. 24 Berufs-/ Selbstständigenverbände und -initiativen tragen das Positionspapier mit.


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