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Arbeitgebervereinigung für Unternehmen
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DienstAGEV - Archiv der Editorials

DienstAGEV - 40. Kalenderwoche 2018

Liebe Leserin,
lieber Leser,

der Beginn der diesjährigen Nobelpreisverleihungen erinnerte mich an die großartige Wahl des Vorjahres für den Wirtschaftspreis, Richard Thaler. Sein Forschungsgebiet hatte ich mir unter dem Begriff „Nudging“ oder „Anstupsen“ gemerkt.

Thaler konnte im Zuge langjähriger Untersuchungen feststellen, dass der Mensch sich immer von den eigenen Emotionen leiten lässt, auch wenn das noch so viele Manager oder Politiker abstreiten werden. Er ist geprägt von Vorurteilen und der Überbewertung kurzfristiger Folgen gegenüber langfristigen, auch an den Finanzmärkten. Das führt häufig dazu, dass immer wieder falsche Entscheidungen getroffen werden, wenn es um die Geldanlage und damit auch für die Altersvorsorge geht.

Durch „Anstupsen“, das sanfte "Auf-den-richtigen-Weg-Leiten", kann man die negativen Konsequenzen dieses Verhaltens reduzieren, wie Thaler nachweisen konnte. Ein wertvolles Beispiel ist das „Opt-out-Modell“, das in vielen Ländern die betriebliche Altersversorgung erfolgreicher macht als in Deutschland. Wer z. B. in Schweden oder in Großbritannien einen Arbeitsvertrag unterschreibt, kauft direkt eine staatlich kontrollierte Altersvorsorge mit, in die er und sein Chef regelmäßig einzahlen. Will er das nicht, muss er ganz bewusst ein Dokument lesen und unterschreiben, dass er aussteigen will. Dafür sind viele aber zu bequem. Die Teilnahmequote liegt damit wesentlich höher als in Deutschland, die Menschen werden sanft zu ihrem Glück gezwungen.

Natürlich gibt es auch Kritiker an dieser Methode, die einen unerlaubten Eingriff in die Selbstbestimmung des Menschen sehen. Diese Ansicht erscheint mir allerdings kaum vertretbar. Denn es gibt weitere Ideen, die dem Anstupsen ähneln oder ihm entlehnt sind, die ebenfalls Erfolg zeitigen und für mich der Beleg dafür sind, dass dieser Ansatz eine viel größere Rolle in unserer Gesellschaft einnehmen sollte. Die Selbstverpflichtung des Handels beispielsweise, Plastiktüten mit einer winzigen Gebühr zu belegen, hat dazu geführt, dass Kunden, die diese vorher geradezu gesammelt haben, plötzlich eine „Igitt-Haltung“ einnehmen, obwohl die Kosten absolut vernachlässigbar sind und sich die individuelle, ökologische Einstellung sicher nicht von jetzt auf gleich verändert hat.

Oder die Ökosteuer auf Mineralöl Ende der 90er, die Autofahrer vorübergehend am Sinn großvolumiger Autos und Motoren zweifeln und an Stammtischen über Spritverbrauch diskutieren ließ, eh deren Ausbau wieder eingestampft wurde und der SUV-Wahn seinen Anfang nehmen konnte.

In Supermärkten könnte man durch schlichtes Umgruppieren der preiswerten oder der plastikfreien oder derjenigen aus Bio-Produktion, je nach gesellschaftlicher Übereinkunft, aus den unteren Regalen in die oberen auf Höhe der Sichtebene eine signifikante Verbesserung der Konsumgewohnheiten erreichen, ohne dass gleich „Big Brother“ zu vermuten wäre. Anstupsen statt Verpflichten… Auch der Flop der GRÜNEN mit dem Veggie Day in den Kantinen gehört in diese Schublade.

Weitergedacht und -entwickelt wird das Anstupsen zu einem essentiellen Gestaltungsinstrument, wenn man das Besteuerungssystem unter diesem Aspekt modernisiert: Steuern auf Plastik, CO2 und irrtümlich so genannte freie Güter wie Wasser, Luft und Ruhe statt auf Arbeit und Dienstleistungen - vom Stupsen zum Schubsen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Thalers Arbeit noch eine große Zukunft bevorsteht und bin gespannt, ob dieses Jahr auch so ein Verleihungsvolltreffer gelingt.

Ihr

Franz J. Grömping
 


 

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Prozent des EU-Durchschnitts erreichte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf im Jahr 2016 in Luxemburg, ausgedrückt in Kaufkraftstandards. Das zeigen Berechnungen der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Danach folgten Österreich und Deutschland mit 126 bzw. 123 Prozent. Das niedrigste BIP pro Kopf hatten Kroatien und Bulgarien mit gerade einmal 59 bzw. 48 Prozent des EU-Durchschnitts.


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