Wie Geschäftskonten zu digitalen Assistenten werden

Klassisches Banking kostet Selbstständige Zeit und Geld: Stundenlanger Verwaltungsaufwand, intransparente Gebühren und unzählige manuelle Prozesse bremsen den Geschäftsalltag. Tino Keller, Geschäftsführer des Startups Accountable, erklärt im AGEV-Interview, wie KI und Fintech-Lösungen diese Hürden beseitigen.

Tino Keller (Bildquelle: Accountable)

AGEV: Welche Funktionen sollte ein intelligentes Bankkonto heute mindestens bieten, um Selbstständigen den Alltag zu erleichtern?

Tino Keller: Ein wirklich intelligentes Geschäftskonto muss heute weit mehr können, als Geld verwalten. Es sollte Transaktionen automatisch den passenden Belegen zuordnen, Belege digital erfassen und erkennen, und auf Basis der Buchungen automatisch Steuerrücklagen bilden. Im besten Fall integriert es Rechnungsstellung, Belegerfassung und Steuerberechnung in einer App, so spart man sich mehrere Tools und behält alles im Blick.

AGEV: Wo lauern die größten Kostenfallen bei Geschäftskonten?

Tino Keller: Viele Selbstständige unterschätzen, wie schnell sich kleine Gebühren summieren. Kosten pro Transaktion, Fremdwährungsaufschläge bei Kartenzahlungen oder Abhebungen und teure Zusatzmodule für Buchhaltung können am Ende richtig ins Geld gehen. Auch Gebühren für Echtzeitüberweisungen, Kartenersatz oder unklare Paketpreise kommen häufig vor. Oft merkt man erst später, dass viele dieser Kosten vermeidbar wären. Ein transparentes Preismodell ohne versteckte Gebühren ist deshalb entscheidend, gerade für Einzelunternehmer mit engem Budget.

AGEV: Warum sind Fintechs wie Accountable eine gute Alternative für Selbstständige?

Tino Keller: Klassische Banken verwalten im Grunde nur Geld. Fintechs gehen deutlich weiter. Bei uns ist das Geschäftskonto komplett kostenlos, und wer möchte, kann gezielt Funktionen wie Buchhaltung oder Steuererklärung ergänzen. Der Unterschied liegt im Ansatz. Wir bauen gezielt für Selbstständige, nicht für Unternehmen mit Buchhaltungsabteilungen. Bei Accountable kann man nicht nur sein Geld verwalten, sondern auch Rechnungen schreiben, Belege scannen und die komplette Steuererklärung erledigen, alles in einer App. Während traditionelle Banken oft monatelang keine Neuerungen bringen, veröffentlichen wir regelmäßig neue Funktionen, um den administrativen Aufwand weiter zu reduzieren.

AGEV: Welches Potenzial haben KI-gestützte Funktionen – gerade für Selbstständige, die wenig Zeit und keine Backoffice-Unterstützung haben?

Tino Keller: Das Potenzial ist enorm. Unser KI-Steuerberater kann schon heute in Echtzeit auf Buchungsdetails eingehen und individuelle Steuerfragen korrekt beantworten, etwas, worauf man früher tagelang auf eine Rückmeldung vom Steuerberater warten musste. Künftig wird KI noch stärker eigenständig handeln. Transaktionen werden automatisch richtig kategorisiert, steuerlich bewertet und im Hintergrund vorbereitet. Der Nutzer muss sich nur noch darum kümmern, dass Belege vorhanden sind. Alles andere erledigt die KI. So wird der gesamte Verwaltungsprozess praktisch unsichtbar.

AGEV: Für Selbstständige ist das Thema Steuern fast immer mit Stress verbunden. Welche Vorteile hat ein Geschäftskonto, das mobil und per App vollständig steuer- und buchhaltungsfähig ist?

Tino Keller: Der größte Vorteil ist die Kontrolle in Echtzeit. Als Nutzer siehst du jederzeit, wie viel du verdient hast, was du ausgeben kannst und wie hoch deine Rücklagen für Steuern sind. Belege kannst du direkt nach dem Kauf mit dem Handy erfassen, und die App kümmert sich um die Zuordnung und Berechnung. Am Monatsende gibt es kein Chaos mehr, keine Zettelberge und keine bösen Überraschungen. Du musst nichts mehr exportieren oder zwischen Programmen wechseln, weil alles integriert ist und bei uns sogar mit Steuergarantie abgesichert wird. Du zahlst also nicht doppelt für verschiedene Tools und kannst dich darauf verlassen, dass deine Steuer korrekt und vollständig erledigt ist.

AGEV: Was würden Sie einem Selbstständigen raten, der alle geschäftlichen Finanzen in einer App vereinen möchte?

Tino Keller: Zuerst sollte man sich genau überlegen, was man wirklich braucht. Es geht nicht nur um ein Konto, sondern auch um E-Rechnungen, Belegkategorisierung, Umsatzsteuer und gegebenenfalls die Einkommensteuererklärung. Danach lohnt sich ein genauer Blick auf die Funktionen und Kosten, weil viele Anbieter nur einen Teil abdecken. Wenn die Basis passt, sollte man einfach testen: ein paar Rechnungen schreiben, Belege scannen und Zahlungen ausführen. Wenn alles funktioniert, kann man Schritt für Schritt umziehen, Daueraufträge anpassen und die neue IBAN auf Rechnungen übernehmen. Bei Accountable ist das besonders einfach, weil man auch bestehende Geschäftskonten parallel verbinden kann. So lässt sich das Banking zentral steuern, ohne sofort alles umstellen zu müssen.

AGEV: Danke für das Gespräch.

Über Tino Keller

Seit 2018 ist Tino Keller Mitgründer und Geschäftsführer des FinTech-Startups Accountable, das eine Steuer- und Finanzlösung für Selbstständige anbietet. Bereits während seines BWL-Studiums gründete Keller 2007 gemeinsam mit Kommilitonen das Schulbewertungsportal Spickmich. 2009 war er außerdem Mitgründer des Nachrichten- und Medienportals Promiflash.

Weitere News aus dieser Kategorie

Ihre AGEV – für Sie im Dialog

Arbeitgebervereinigung für Unternehmen
aus dem Bereich EDV und Kommunikationstechnologie e. V.

Bonner Talweg 55
53113 Bonn

 Tel: 0228 98375-0
 Fax: 0228 98375-19
 Nachricht schreiben