Umfrage: Europäisches KI-Modell Mistral nutzt keiner

Deutsche Unternehmen setzen laut einer Bitkom-Umfrage fast ausschließlich auf KI-Modelle und Dienste aus den USA. Anbieter aus China und Europa haben kaum Relevanz. „Wer digitale Souveränität will, muss europäischen Anbietern eine Chance geben“, kommentierte Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst das Ergebnis.
Open-Weight-Modelle aus China spielen in der deutschen Wirtschaft noch keine große Rolle, wie aus einer Umfrage des Digitalbranchenverbands Bitkom hervorgeht. Gerade einmal zwei Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen, nutzen demnach DeepSeek, ein Prozent Qwen-Modelle von Alibaba. Damit liegen chinesische Anbieter weit hinter den führenden Modellen aus den USA.
Platzhirsch mit deutlichem Abstand bleibt ChatGPT von OpenAI: 76 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen setzen es ein, nach 70 Prozent im Vorjahr (Mehrfachnennungen möglich). Dahinter folgt Microsofts KI-Assistenzsystem Copilot mit 35 Prozent (2025: 28 Prozent), bei dem allerdings sowohl Microsofts eigene MAI-Modelle als auch Modelle von OpenAI und Anthropic zum Einsatz kommen. Darauf folgen Googles Gemini-Modelle mit 28 Prozent (2025: 22 Prozent).
Klar abgeschlagen erreichen Llama-Modelle von Meta acht Prozent, die KI-Funktionen von SAPs Joule sechs Prozent und Claude von Anthropic drei Prozent der Unternehmen. Grok von xAI spielt der Umfrage nach praktisch keine Rolle, nicht einmal in jedem hundertsten deutschen Unternehmen kommt es zum Einsatz. Ferner gab kein befragtes Unternehmen an, Modelle von Perplexity oder des führenden europäischen Anbieters Mistral mit Sitz in Frankreich zu nutzen. Befragt wurden laut Bitkom 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, die Ergebnisse sind den Angaben nach repräsentativ.
Trend zu offenen Modellen?
„Die deutsche Wirtschaft setzt bei Künstlicher Intelligenz derzeit fast ausschließlich auf Anwendungen aus den USA. Wer digitale Souveränität will, muss europäischen Anbietern eine Chance geben“, kommentierte Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst das Ergebnis. „Zugleich braucht nicht jede Aufgabe im Unternehmen das größte und neueste Modell. Für viele Anwendungen genügen spezialisierte, kleinere Systeme, die sich dann zudem kostengünstiger einsetzen lassen – gerade hier liegt auch eine Chance für europäische Anbieter.“
Open-Weight-Modelle aus China wie Kimi K3 oder Qwen 3.8 haben in den vergangenen Monaten für Furore gesorgt. Sie machen den Spitzenmodellen aus den USA in Benchmarks Konkurrenz und versprechen zugleich deutlich geringere Tokenkosten als die proprietären US-Spitzen-LLMs von OpenAI und Anthropic. Dank veröffentlichter Gewichte können Unternehmen die Modelle auch lokal hosten. Unternehmen wie Coinbase und Airbnb machten bereits öffentlich, dass sie für bestimmte Aufgaben chinesische Open-Weight-Modelle auf westlicher Infrastruktur verwendeten. Nvidia macht sich für ein US-Ökosystem offener Modelle stark und hat zuletzt die Plattform Hugging Face übernommen. Es bleibt abzuwarten, ob daraus ein nachhaltiger Trend wird, der Anbieter geschlossener Modelle unter Druck setzt und auch seinen Weg in die deutsche Wirtschaft findet.
Quelle: heise.de
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