Suchmaschinen-Initiative will EU-Suche bauen

Die Initiative European Search Perspective (EUSP) will die EU-Staaten aus der Abhängigkeit von US-Unternehmen befreien. Derzeit werde die Suche fast komplett durch Nicht-EU-Unternehmen kontrolliert. Das Joint Venture schlägt vor, nationale Suchindexe als öffentliche digitale Infrastruktur aufzubauen.
Das deutsch-französische Joint Venture European Search Perspective (EUSP) hat offene Briefe an die Regierungschefs aller 27 EU-Mitgliedstaaten verschickt. Es schlägt vor, nationale Suchindexe als öffentliche digitale Infrastruktur aufzubauen. Die Initiative kommt 100 Tage nach dem Digital Sovereignity Summit in Berlin, auf dem europäische Staats- und Regierungschefs versprachen, kritische digitale Abhängigkeiten abzubauen.
Die Organisation argumentiert, dass die Suchinfrastruktur als strategische öffentliche Infrastruktur behandelt werden sollte, in ihrer Bedeutung vergleichbar mit Energienetzen oder Telekommunikationsnetzen: „Suchergebnisse bestimmen die Sichtbarkeit. Die Sichtbarkeit bestimmt den Marktzugang. Der Marktzugang bestimmt Gewinner und Verlierer. In digitalen Märkten ist das Ranking keine neutrale Formalität – es ist eine Verteilung von Chancen.“ schreibt die EUSP. Das Unternehmen beziffert die Abhängigkeit auf rund 18 Billionen Euro europäischer Wirtschaftsleistung.
Allerdings werde die Suche derzeit fast komplett durch Nicht-EU-Unternehmen kontrolliert. 99,5 Prozent aller europäischen Suchanfragen werden den Angaben von EUSP zufolge von zwei US-Unternehmen (Google und Bing, 96 Prozent) und einem russischen Anbieter (Yandex, 3,5 Prozent) beantwortet (Der c’t-Artikel „Suchmaschinenmarkt im Überblick: Viele Dienste, zwei echte Machtzentren“ beleuchtet den Suchmaschinenmarkt im Detail).
Gefährliche Abhängigkeit
Ein Ausfall oder eine Sperrung der dominierenden Suchindex-Infrastruktur könnte laut EUSP Regierungen innerhalb weniger Tage handlungsunfähig machen und Volkswirtschaften zum Stillstand bringen. Solche Maßnahmen sind nicht nur ein theoretisches Szenario. Das hat die US-amerikanische Politik in den letzten Jahren in vielen Fällen gezeigt, etwa durch die Handelszölle oder dadurch, dass es einen unliebsamen Richter am Internationalen Strafgerichtshof vom digitalen Leben abschneidet.
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