Arbeitsmarktforscherin zur Veränderung der Joblandschaft durch KI

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Arbeitsmarktforscherin Christina Gathmann warnt: Deutschland stehe durch KI vor einem fundamentalen Wandel. Besonders betroffen seien die gut bezahlten Jobs. Die stockende Industrie könne nur durch einen Innovationsschub aus der Krise finden. Werde die Technologie genutzt, um Neues zu schaffen, ergäben sich neue Tätigkeitsfelder.

Deutschland steht nach Einschätzung der Arbeitsmarktforscherin Christina Gathmann an einem Wendepunkt. Das berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Nach einer Dekade mit historisch hoher Beschäftigung und steigenden Reallöhnen hänge die weitere Entwicklung davon ab, wie das Land den technologischen Umbruch bewältige. Die stockende Industrie könne nur durch einen Innovationsschub aus der Krise finden, sagte Gathmann.

Deutschland verfüge zwar über gut ausgebildete Menschen und technisches Know-how. Problematisch seien jedoch Beharrungskräfte in vielen Bereichen. Als Beispiel nannte sie die mangelnde Digitalisierung der Verwaltung.

Keine Massenarbeitslosigkeit, aber überall Veränderungen

Die häufig geäußerte Sorge vor Massenarbeitslosigkeit durch KI hält die Forscherin für unbegründet. Technologiesprünge hätten stets zwei Seiten. Zwar würden bestimmte Tätigkeiten automatisiert, gleichzeitig entstünden aber neue Aufgaben und Berufe. Als Beispiel führte sie Banken an, die nach Einführung von Geldautomaten nicht weniger Personal beschäftigten, sondern andere Tätigkeiten entwickelten.

Entscheidend sei, wie KI angewendet werde, sagte Gathmann im Interview. Bei reiner Automatisierung drohten Arbeitsplatzverluste. Werde die Technologie jedoch genutzt, um Neues zu schaffen, ergäben sich neue Tätigkeitsfelder. Die Beschäftigten müssten allerdings entsprechend qualifiziert werden.

Alle Berufe würden sich verändern, betonte Gathmann. Diplomübersetzer beispielsweise könnten ihre Haupttätigkeit verlieren und nur noch Kontrollfunktionen übernehmen. Auch körperliche Arbeit bleibe nicht verschont, da KI Roboter trainiere und deren Einsatz günstiger mache. Gathmanns Untersuchungen zum deutschen Arbeitsmarkt in der Vergangenheit zeigten, dass Menschen sich meist anpassten, ohne Unternehmen oder Beruf zu wechseln.

Expertenwissen bietet nicht unbedingt Sicherheit

Hochqualifizierte Berufe seien paradoxerweise besonders vom Wandel durch KI betroffen. Juristen würden weiterhin benötigt, jedoch primär für Spezialfälle und Kontrollen, wo KI bei geringen Datenmengen schwache Ergebnisse liefere.

Pflegekräfte könnten durch KI-gestützte Dokumentation mehr Zeit für Patienten gewinnen. Dies sei eine positive Veränderung, bleibe aber eine grundlegende Umstellung.

Das Gehalt werde künftig stärker davon abhängen, welche konkreten Tätigkeiten KI übernehme. Wer von Routineaufgaben entlastet werde und sich auf komplexere Tätigkeiten konzentrieren könne, profitiere. Problematisch werde es, wenn KI die wertvollsten Kompetenzen ersetze.

Berufseinsteiger könnten Leidtragende sein

Gathmann berichtete aus eigener Erfahrung von enormen Produktivitätssteigerungen. Literaturrecherchen, für die früher studentische Hilfskräfte Tage brauchten, erledige KI heute in kurzer Zeit. Entsprechend beschäftige sie deutlich weniger Hilfskräfte als früher.

Studien zeigen leicht negative Effekte für Berufseinsteiger – sowohl bei der Zahl der Einstiegsjobs als auch bei der Entlohnung. Problematisch würde dies, wenn Einstiegstätigkeiten komplett wegfielen.

Quelle: golem.de

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