Editorial AGEV im Dialog Februar 2026
„Die Menschheit entfernt sich vom hellen Licht der Aufklärung in die Dunkelheit der Despotien.“
(Gerhart Baum, kurz vor seinem Tod 2025)

Im Jahre 2026 n. Chr. Geburt: Die IT-Landschaft in ganz Deutschland wird von amerikanischen Tech-Imperialisten beherrscht. Ganz Deutschland? Nein.
Ein kleines, sonniges Bundesland hoch oben im Norden mit einem listigen Ministerpräsidenten, der es schon viele Jahre klug und geräuscharm schwarz-grün regiert, lehnt sich auf. Es verfügt seit November 2024 über einen Zaubertrank namens „digitalsouveräner Arbeitsplatz“, mit dem es seine Landesverwaltung von der Staatskanzlei bis zur Polizei versorgt. Bald soll er auch in Kommunen und gemeinnützigen Organisationen verfügbar sein. Die bisherigen Einsparungen betragen nach so kurzer Zeit bereits 15 Mio. Euro. Wichtiger noch: Das Bundesland wird resilient gegen Angriffe und Erpressung von außen.
Außerdem macht ein bisschen Anarchie in diesen Zeiten Spaß, auch wenn der Zaubertrank noch nicht vollständig mundet. Das Ursprungsrezept stammt aus München, ganz im Süden der Republik, wo die Landeshauptstadt Bayerns es ausprobiert hat, aber letztendlich an der Praxis gescheitert ist. Der Trank muss noch nachgewürzt und abgeschmeckt werden.
Andere Bundesländer beobachten das Projekt mit Argusaugen. Das sollten auch KMU und Selbstständige tun. Starten kann man mit LibreOffice und Linux und Kosteneinsparungen bis 50 Prozent bei Lizenzen erzielen. Cloud-Alternativen wie Nextcloud bieten datensichere Zusammenarbeit und fördern die Unabhängigkeit von Monopolen – im Einklang mit gesellschaftlicher Nachhaltigkeit und Resilienz.
Wie hieß die Frage damals in den 90ern: Windows beenden? Sind Sie sicher?
JA drücken! Und auf geht es in die unabhängige Open-Source-Welt!
Die Tech-Giganten der USA haben sich in unheilvolle Komplizenschaft mit einem würde- und rücksichtslosen Präsidenten begeben, um auf Kosten von Demokratie und Menschlichkeit technologische und militärische Vorherrschaft für wenige zu festigen und sich persönlich zu bereichern. Sie werden nicht standhaft bleiben, wenn Trump seine hegemonialen Gelüste mit technologischer Erpressung verstärkt.
Aber Europa kann sich wehren, indem es zusammenrückt. List, Mut und Zähigkeit der fiktiven Gallier von Goscinny sind dabei ebenso notwendig wie motivierend. Wir brauchen sie nicht nur für die digitale Emanzipation: Was passiert eigentlich, wenn Trumps „Drill, Baby, Drill“ im wahrsten Sinne des Wortes im Sande verläuft, wenn niemand mehr den schmutzig-schwarzen Saft kauft, weil Europa nur noch erneuerbare Energien einsetzt, die viel billiger und zudem sauber sind? Und wie steht „the orange One“ da, wenn wir nach Mercosur und dem Indienabkommen auch mit den anderen großen Demokratien der Welt wie Kanada, Australien, Südkorea usw. zusätzliche Abkommen schließen, die für die Menschen und nicht für die Machtgelüste rechter Autokraten und narzisstischer Techfürsten gemacht sind, fragt sich nicht wirklich
Ihr
Franz J. Grömping
PS: Unser Schwerpunktthema 2026 erhält den Arbeitstitel „Digitale Souveränität“. Tragen Sie gern Ideen und Produktvorschläge bei! dialog@agev.de
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