Zölle gegen asiatische Plattformen treffen den gesamten deutschen Onlinehandel

Die Abschaffung der Zollfreigrenze für Kleinsendungen zeigt drastische Wirkung. Die Umsätze von Temu, Shein und Aliexpress stürzen um über ein Drittel ab. Hiesige Anbieter würden aber nicht profitieren, so der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH).
„Das rasante Wachstum von Temu und Shein in Deutschland ist ins Stocken geraten. Damit sinken auch die Umsätze im Gesamtmarkt, ohne dass hiesige Anbieter von der Schwäche asiatischer Wettbewerber profitieren konnten“, sagte Alien Mulyk, Hauptgeschäftsführerin des BEVH, in dem Otto, Zalando und Amazon Mitgliedsunternehmen sind.
Die Umsätze von Shein, Temu und Aliexpress brachen im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35,5 Prozent auf aktuell 566 Millionen Euro ein. Der Marktanteil der drei größten asiatischen Plattformen in Deutschland fiel auf 3,1 Prozent; im 2. Quartal lag er noch bei 5,3 Prozent. Ab dem 1. Juli 2026 entfiel die Regelung, nach der Waren mit einem Wert von weniger als 150 Euro zollfrei in die EU geschickt werden konnten. Seither wird eine Abgabe in Höhe von drei Euro pro Warenkategorie je Sendung erhoben, die mit einem Warenwert von unter 150 Euro aus Nicht-EU-Ländern in den Staatenverbund gesendet wird. Ab November kommt noch eine pauschale Bearbeitungsgebühr von zwei Euro hinzu.
Amazon will chinesische Direktvertriebsplattformen loswerden
Ungebrochen ist laut dem Online-Handelsverband der Wachstumstrend mit Medikamenten mit 15,4 Prozent, Drogerieartikeln (14,3 Prozent) und Lebensmitteln (9,1 Prozent). Der Modehandel verzeichnete ein Umsatzplus von 4,9 Prozent bei Kleidung und 6,4 Prozent bei Schuhen.
Der Golem-Blick: Dass der BEVH mit dem chronischen EU-Steuervermeider Amazon massiv gegen die chinesische Konkurrenz vorgeht, ist widersprüchlich. Denn chinesische Händler bieten seit Jahren auf dem Amazon-Marktplatz ihre Waren an. Der lautstarke Einsatz des Verbandes für „faire Wettbewerbsbedingungen“ und weitere Zollbarrieren dürfte daher vor allem dazu dienen, unliebsame Konkurrenz durch neue, aggressive Direktvertriebsplattformen einzudämmen.
Quelle: golem.de
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