Soofi: Modell für europäische KI-Souveränität

OpenAI, Anthropic oder Google: Diese Namen dominieren den Markt der KI-Sprachmodelle. Mit Soofi entsteht nun in Deutschland erstmals ein vollständig auf europäischer Infrastruktur trainiertes Open-Source-Sprachmodell für industrielle Anwendungen. Aus dem aktuellen Forschungsprojekt soll ein großskaliges Open-Source-LLM für die digitale Unabhängigkeit Europas werden.

Während weltweit immer mehr Unternehmen die großen Sprachmodelle ChatGPT, Claude oder Gemini in ihre Arbeitsabläufe integrieren, wächst in Europa die Sorge vor digitaler Abhängigkeit und Kontrollverlust, wenn Unternehmen oder der öffentliche Sektor zu reinen Anwendern von Kerntechnologien werden, die in den USA oder China entwickelt wurden. Ein offenes europäisches Sprachmodell im industriellen Maßstab mit konsequent souveräner Entwicklung existiert bislang nicht.

Mit Soofi (Sovereign Open Source Foundation Models) kann sich das ändern. Das offene Sprachmodell wird von Wissenschaftlern aus deutschen Forschungseinrichtungen, Universitäten und KI-Unternehmen entwickelt und auf einer in Deutschland betriebenen europäischen KI-Infrastruktur trainiert. Bemerkenswert ist die Größe des Projekts, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und mit Mitteln der Europäischen Union finanziert wird: Unter der Leitung des KI Bundesverbands arbeiten unter anderem das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Fraunhofer IAIS und Fraunhofer IIS, die Universitäten Darmstadt, Hannover und Würzburg sowie mehrere KI-Startups gemeinsam am Aufbau der Modellfamilie. Trainiert wird Soofi auf der Industrial AI Cloud der Deutschen Telekom in München. Damit bleiben sowohl die Recheninfrastruktur als auch das Training vollständig in europäischer Hand. Jörg Bienert, Koordinator des Soofi-Projekts beim KI Bundesverband, betont: „Mit Soofi schaffen wir eine offene Grundlage, auf der Unternehmen, Mittelstand und öffentlicher Sektor transparente KI-Anwendungen auf Basis ihrer eigenen Daten entwickeln können, ohne sich dauerhaft von einzelnen außereuropäischen Modellen abhängig zu machen.“

Eigene Anwendung auf eigener Infrastruktur

Gerade für Unternehmen gewinnt die Frage der Kontrollhoheit über Daten, Modelle und Betriebsumgebung an Bedeutung. Sie bewegen sich in dem Spannungsfeld, einerseits leistungsfähige generative KI nutzen zu wollen (und zu müssen), aber dann nur auf nichteuropäische Anwendungen zurückgreifen zu können. Soofi könnte die Lösung sein, weil das Modell Leistungsfähigkeit mit den europäischen Datenschutz-, Compliance- und AI-Act-Anforderungen verbindet. Somit ließen sich die Anwendungen bedenkenlos in die Prozesse und Produkte der Unternehmen integrieren und sogar vollständig auf eigener Infrastruktur betreiben.

Im Juni dieses Jahres hat das Konsortium mit „Soofi S“ den ersten Baustein der europäischen Modellfamilie präsentiert, der laut eigenen Angaben bei deutschsprachigen Benchmarks Spitzenwerte unter den offenen Modellen erreichen konnte und sich auch im Englischen mit internationalen Wettbewerbern seiner Größenklasse messen lassen kann. Das Modell soll insbesondere dort eingesetzt werden, wo Organisationen KI-Anwendungen nachvollziehbar, anpassbar und auf eigener oder souveräner Infrastruktur betreiben wollen – etwa bei industriellen Prozessen, der Analyse umfangreicher technischer und regulatorischer Dokumente, Code-Generierung oder agentischen KI-Systemen.

Transparenz statt Black Box

Ein Fokus des Konsortiums ist zudem radikale Transparenz, was ein wesentlicher Unterschied zu den großen Modellen aus den USA oder China ist. So sollen bei Soofi zum Beispiel Trainingsmethodik, Datenaufbereitung und technische Dokumentation offen zugänglich sein, damit Unternehmen nachvollziehen können, wie das Modell entstanden ist und die Möglichkeit haben, die KI gezielt für eigene Anwendungsfälle weiterzuentwickeln.

In der jetzigen Pilotphase wird Soofi mit Industriepartnern in realen Anwendungsszenarien getestet und anhand der praktischen Erfahrungen weiterentwickelt, damit das Modell im produktiven Betrieb zuverlässig, effizient und nachvollziehbar eingesetzt werden kann.

Mehr Informationen zur KI-Initiative: Soofi

Erprobung möglich

Unternehmen, die Interesse an einer Erprobung haben, können sich für eine Teilnahme bewerben. Senden Sie an das Projektteam unter contact@soofi.info

  • eine kurze Beschreibung ihres Unternehmens
  • der Branche oder des Anwendungsfelds
  • und Ihre mögliche Use-Case-Idee
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