Second Life statt neu: Ein längeres Leben für Solarmodule

Mirko Laube und Luisa Schulze sind die Gründer von Better Sol (Bildquelle Better Sol)

Ausrangierte Solarmodule werden meistens recycelt, obwohl viele davon noch jahrelang Strom liefern könnten. Das Braunschweiger Startup Better Sol setzt mit seiner Geschäftsidee noch vor dem Recycling an. Das Ziel der Gründer Luisa Schulze und Mirko Laube ist eine längere Produktlebensdauer. Zeigen die gebrauchten Module in ihrem KI-gestützten Testverfahren ausreichend Leistung, werden sie weiterverkauft.

Über 5,5 Millionen PV-Anlagen sind inzwischen in Deutschland installiert. Branchen- und Recyclingakteure rechnen bis 2030 mit stark steigenden Mengen ausgedienter Module, denn viele Anlagen aus der ersten Boomphase in den 2000er- und frühen 2010er-Jahren werden nach und nach modernisiert. Das bedeutet aber nicht, dass die alten Module dann automatisch ihr technisches Lebensende erreicht haben. Viele Betreiber von Solarparks tauschen sie aus wirtschaftlichen Gründen bereits dann aus, wenn eine neue Modulgeneration maximale Leistung verspricht.

Je größer der Anlagenbestand, desto relevanter wird also die Frage, was mit ausgetauschten, aber noch funktionstüchtigen Modulen geschieht. In diese Lücke stößt das Braunschweiger Startup um die Gründer Luisa Schulze und Mirko Laube mit seiner Geschäftsidee. 2022 als Ausgründung des Recyclingspezialisten Solar Materials gestartet, konzentriert sich Better Sol seit 2023 als eigenständige GmbH ganz auf die Verlängerung der Produktlebensdauer durch den Weiterverkauf intakter Module.

„Was uns antreibt, ist die Ressourcenverschwendung in der Solarindustrie zu stoppen“, beschreiben die Gründer ihre Mission. Durch die Wiederverwendung von Solarmodulen könnten endliche und kritische Ressourcen wie Silber und Silizium geschont werden. Jedes funktionierende Modul, das weitere Jahre Strom produziert, spare Ressourcen, Energie und CO₂. Nach Angaben des Unternehmens ist im Schnitt jedes zweite gebrauchte Solarmodul noch für eine erneute Nutzung geeignet.

Nicht immer zählt maximale Effizienz

Better Sol deckt einen Bedarf. Denn bei vielen Anwendungsfällen zählt das Verhältnis aus Kosten und Stromertrag mehr als maximale Leistung und neuste Modultechnik: Lagerhallen, Werkstätten, Gartenhäuser oder kleinere Gewerbebetriebe sind nur einige Beispiele, die auch mit weniger Stromausbeute bestens zurechtkommen. Allerdings kauft niemand Solartechnik aus zweiter Hand, wenn nicht klar ist, dass diese noch über Jahre gute Dienste leisten wird. Deshalb bringt Better Sol die Module „mit garantierter Leistung und einer transparenten Leistungsprognose“ zurück in den Markt. Better Sol verkauft nach eigenen Angaben nur Module, die höchstens 20 Jahre alt sind und eine gemessene Restleistung von mindestens 80 Prozent aufweisen.

Mehrstufiges Prüfverfahren

Die ausrangierten Module durchlaufen beim Startup mehrere Prüfschritte. Zunächst analysiert Better Sol mithilfe eines KI-gestützten Testverfahrens, ob sich ein Solarpanel überhaupt für die Wiederverwendung eignet oder dem Recycling zugeführt werden sollte. Dabei werden unter anderem sichtbare Schäden, der Zustand der Solarzellen, elektrische Sicherheit, Restleistung und mögliche Mikrorisse untersucht. Module mit ausreichender Leistung erhalten eine Einstufung und Prüfprotokolle. Nur vollumfänglich geprüfte Module gehen in den Verkauf über den Onlineshop von Better Sol. Je nach Kundenbedarf können auch größere Mengen bereitgestellt werden.

Der nächste Entwicklungsschritt des Startups soll direkt in die Solarparks führen: Better Sol plant eine mobile Testanlage, mit der gebrauchte Module bereits vor Ort geprüft werden können. Nach Angaben des Unternehmens ist dafür ein Prüfsystem in einem 40-Fuß-Container geplant, das mithilfe von KI und Automatisierung auch große Modulmengen effizient bewerten könnte. Das würde den Aufwand beim Transport reduzieren und zugleich ermöglichen, große Mengen schneller für eine Wiederverwendung zu bewerten.

Mehr Informationen: Better Sol

AGEV fordert Mehrwertsteuersatz „0“ für den Bereich "Re-Use"

Lesen Sie in diesem Zusammenhang die Forderung des AGEV-Verbands. Franz J. Grömping: „Wir halten den Mehrwertsteuersatz ,0‘ für Reparaturen für zwingend geboten. Dieser Anreiz ließe neue Geschäftsmodelle entstehen bzw. macht die bestehenden tragfähig. Die Steuerspreizung könnte sukzessive auf weitere Dienstleistungen ausgedehnt und damit zur Blaupause für die Schaffung von dringend notwendigen Anreizen für eine zirkuläre Wirtschaft werden“.

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