Startup Neura Robotics: Die Humanoiden kommen

David Reger, Gründer des Startups Neura Robotics aus Metzingen, prophezeit, dass in wenigen Jahren jeder einen Haushaltsroboter besitzen könnte. Das Unternehmen positioniert sich anders als seine großen Mitbewerber nicht allein mit seinen Humanoiden, sondern als Anbieter eines Betriebssystems für Roboter – samt Marktplatz.
Der Markt für humanoide Robotik ist zwar noch in seiner frühen Phase, aber wächst sehr schnell. Goldman Sachs Research skizziert ihn bis zum Jahr 2035 auf 38 Milliarden US-Dollar. Im Wettbewerb stehen starke Namen wie Tesla, Boston Dynamics oder Figure AI. Für Aufsehen sorgt aber gerade auch ein Startup aus Deutschland. Neura Robotics. Gründer und CEO David Reger will Roboter für jeden bauen. Seine Produkte präsentierte das Unternehmen Anfang des Jahres auf der CES 2026 in Las Vegas, der einflussreichsten Messe für Consumer Electronics. Darunter der kognitive Roboter MAiRA für industrielle Anwendungen, die nächste Generation des Roboters 4NE1 (ausgesprochen „For Anyone“), gestaltet mit Studio F. A. Porsche, die kleinere Version „4NE1 Mini“ und der vierbeinige „Quadruped“ für Inspektion und schwieriges Gelände.
4NE1 ist als kognitiver Roboter für den allgemeinen Einsatz in Unternehmen und Haushalten konzipiert. Er soll in Echtzeit wahrnehmen, lernen und interagieren, bis zu 100 Kilogramm tragen und durch unstrukturierte Umgebungen navigieren können. Er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von fünf Stundenkilometern und lernt durch Beobachtung komplexer Aufgaben. Das Modell lässt sich für verschiedene Anwendungen anpassen, eine Version mit Rädern und verlängerter Reichweite eignet sich zum Beispiel für Industrie- und Lagerhallen.
Marktplatz-Konzept: das Neuraverse
Das Unternehmen aus Metzingen wirbt neben seinen Robotern aber vor allem für sein Ökosystem „Neuraverse“, eine Plattform, über die Skills geteilt, aktualisiert und perspektivisch auch monetarisiert werden sollen. Wenn ein Roboter eine Aufgabe lernt, soll dieses Wissen für andere Roboter im Netzwerk nutzbar werden – statt in Silos zu verschwinden. „Wie ein App-Store für Roboter“, beschreibt Reger sein Konzept. Entwickler können dort ihre Anwendungen für Pflege, Haushalt oder Industrie beisteuern – unabhängig vom Hersteller. Mit dem Neuraverse will Reger eine Infrastruktur bereitstellen, die Intelligenz über Geräte und Umgebungen hinweg verbindet und skaliert.
Genau hier verortet der Gründer den Engpass der Branche: Es fehlt nicht nur an Motoren, Greifern oder Chips – es fehlt an Daten aus der physischen Welt. Jensen Huang, CEO von Nvidia, unterstrich auf der CES-Messe diese Sichtweise: Physical-AI sei die nächste große Phase KI-getriebener Innovationen nach den Sprachmodellen. Neura versucht genau solche physischen Daten systematisch zu erzeugen: mit seinen Trainingszentren „Neura Gyms“, in denen Roboter in realen Umgebungen üben, Fehler machen und daraus lernen.
Wie wertvoll reale Bewegungsdaten sind, zeigt die Kooperation mit Bosch. In Bosch-Werken werden Arbeitsabläufe mit Sensoranzügen erfasst, um Trainingsdaten für humanoide Robotik zu gewinnen. Bosch soll zudem bei Komponenten, Endmontage und Motorenproduktion unterstützen. Sicherheit und „kognitive“ Fähigkeiten sind dabei elementar: Roboter müssen Menschen zuverlässig erkennen. Der „OmniSensor“ zur intelligenten Personenerkennung sowie eine sensorische „Haut“, die Annäherung bereits vor einer Berührung erkennen soll, sollen das bewerkstelligen. Das Ziel: Roboter und Mensch arbeiten ohne Schutzzaun nebeneinander.
Trainings auf dem Weg zur Serienreife
Ob Neura mit seinem Plattform-Konzept einen Vorsprung gegen die Schwergewichte aus den USA und China herausarbeiten kann, entscheidet sich an zwei Entwicklungen: ob das Plattformkonzept in der Praxis ankommt und ob es gelingt, aus realen Daten schnell verlässliche humanoide Fähigkeiten zu machen. Im Dezember 2025 hat Neura einen neuen Standort in Zürich eröffnet – 1.800 Quadratmeter in direkter Nähe zu den Robotics-Labs der Eidgenössischen Technische Hochschule Zürich. Dort soll die Entwicklung des Roboters 4NE1 künftig konzentriert werden. Als erwartbare Verfügbarkeit für sein Modell nennt Neura Ende 2026.
Mehr Informationen: Neura Robotics
Weitere News aus dieser Kategorie
8. Februar 2026
Editorial AGEV im Dialog Februar 2026
im Jahre 2026 n. Chr. Geburt: Die IT-Landschaft in ganz Deutschland wird von…
8. Februar 2026
Update 2026: Neues Jahr, neue Regeln
2026 bringt wieder einige Neuerungen bei Steuern und Gesetzen mit sich, die…
8. Februar 2026
Über die Tech-Elite, die Fortschritt verhindert
In ihrem Buch „Broligarchie“ blickt Aya Jaff, Unternehmerin und Coderin mit…



