Weniger abhängig: Alternativen zu US-Big-Tech

US-Dienste dominieren den digitalen Alltag von Unternehmen jeder Größe, von Konzernen über den Mittelstand bis hin zu Kleinstunternehmen und Selbstständigen. Ob E-Mail, Cloud oder KI: Meist liegen diese Dienste in den Händen weniger US-Plattformen – und das macht verwundbar.

Wer einmal im Ökosystem eines großen Plattformanbieters gefangen ist, wechselt ungern: Daten, Arbeitsabläufe, Zuverlässigkeit und Gewohnheiten sind eng miteinander verwoben. Der Aufwand für einen Umstieg wächst mit jedem Jahr, obwohl die Technologie auch noch teuer ist. Unternehmen, Bund, Länder und Kommunen überweisen jährlich Unsummen an Lizenzgebühren an die großen US-Tech-Konzerne. Allein bei der Bundesverwaltung kamen im Jahr 2025 rund 481 Millionen Euro an Microsoft-Lizenzgebühren zusammen. Preissteigerungen ab Juli 2026 hat der Konzern bereits angekündigt. Das Berliner Zentrum für digitale Souveränität ZenDiS unterstützt Bund, Länder und Kommunen dabei, sich aus kritischen Abhängigkeiten von einzelnen Technologieanbietern zu lösen. Es betrachtet digitale Souveränität als „lebensnotwendig für die öffentliche Verwaltung“.

Neben den Kosten stellt sich auch die Frage der Datenkontrolle. Für Techunternehmen sind Nutzerdaten ein wertvoller Rohstoff, mit dem sich durch Tracking, personalisierte Werbung und Produktoptimierung viel Geld verdienen lässt. Selbst wenn die Daten auf europäischen Servern liegen, ist nicht garantiert, dass sie dort verbleiben. So kann der US Cloud Act amerikanische Technologieanbieter unter bestimmten Voraussetzungen dazu verpflichten, US-Behörden Zugang zu Daten zu gewähren, die sich in ihrem Besitz oder ihrer Kontrolle befinden – unabhängig davon, ob diese Daten in Europa gespeichert sind.

Für Unternehmen ergibt sich daraus eine grundlegende Frage: Wer kontrolliert die eigenen Daten oder die der Kunden? Wer kontrolliert die Technologien, auf denen das eigene Geschäft aufbaut? Wer auf fremde Plattformen angewiesen ist, hat letztlich wenig Einfluss darauf, wie sie sich weiterentwickeln, ob die Kosten stabil bleiben oder ob sie morgen noch verfügbar sind. Digitale Souveränität geht somit über den Datenschutz hinaus. Sie umfasst die Verfügungsgewalt über Daten und Schnittstellen, die Kontrolle über Kosten und Betriebsmodelle, die Freiheit zur Weiterentwicklung sowie die reale Chance, den Anbieter zu wechseln.

Europa hat aufgeholt

Für viele digitale Standardwerkzeuge aus den USA gibt es inzwischen belastbare Alternativen: europäische Anbieter, Open-Source-Lösungen oder, wo der US-Markt unvermeidlich bleibt, zumindest datenschutzfreundlichere Dienste, die Sicherheit und Transparenz höher gewichten. Das Ziel sollte nicht die digitale Komplettabschottung von Plattformanbietern aus den USA sein, sondern ein ganz pragmatisches: wenigstens ein Stück weit unabhängiger zu sein, indem man, wo es sich anbietet, den Wechsel wagt.

In unserer Liste haben wir eine Auswahl zusammengestellt. Einige Alternativen sind europäisch, andere besonders datenschutzfreundlich, wieder andere sind Open Source oder selbst hostbar – und manche kombinieren mehrere dieser Eigenschaften.

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