Spionage im Handynetz aufgedeckt

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Ein Forschungsteam des Hasso Plattner Instituts (HPI) und der University of Toronto hat jetzt gezeigt: Das Mobilfunknetz wird tatsächlich für die Standortbestimmung von Menschen genutzt. Kommerzielle Anbieter greifen dafür auf längst bekannte Sicherheitslücken zurück.

„Mobilfunknetze sind hochgradig undurchsichtig und extrem komplex“, sagt HPI-Doktorandin Swantje Lange. Gemeinsam mit dem Sicherheitsforscher Gary Miller veröffentlichte sie den Bericht „Bad Connection: Uncovering Global Telecom Exploitation by Covert Surveillance Actors“ beim Citizen Lab, einer Forschungseinheit an der Munk School of Global Affairs & Public Policy der University of Toronto, die Bedrohungen für die Menschenrechte im digitalen Ökosystem untersucht.

Mieten statt Hacken

Gemeinsam analysierten sie Firewall-Daten aus dem Mobilfunknetz. Sie schauten sich also an, welche Angriffe dort abgefangen wurden, um daraus Schlüsse über Angriffsstrategien zu ziehen. „Wir konnten zwei ausgeklügelte, koordinierte Überwachungskampagnen identifizieren“, sagt Swantje Lange.

Das Ausmaß der Ausspäh-Versuche lasse auf kommerzielle Anbieter statt Einzeltäter schließen: „Wir konnten teilweise Standortabfragen beobachten, die fast zeitgleich von Netzen überall auf dem Globus kamen, gesendet innerhalb weniger Minuten von Anbietern in neun verschiedenen Ländern. Das ist ein klarer Indikator für einen Angriff, der die Kapazitäten von Einzelpersonen übersteigt.“

Überwachungsunternehmen verschaffen sich Zugang zu Mobilfunknetzen über die Signalisierungsinfrastruktur, die verschiedene Mobilfunknetzbetreiber miteinander verbindet. Über diese Infrastruktur werden im regulären Betrieb Teilnehmer- und Standortdaten ausgetauscht – etwa, um Roaming im Ausland zu ermöglichen. „Die Signalisierungsinfrastruktur wird privat verwaltet. Einige Betreiber vermieten Zugänge dazu, sogenannte ‚Global Titles‘“, sagt Lange. Das sind Adressen, ähnlich wie Telefonnummern, die von nationalen Telekommunikationsregulierungsbehörden vergeben werden

Einmal angekommen, fragt niemand mehr

Wer einen „Global Title” besitzt, kann als legitimer Teilnehmer die Signalisierungsinfrastruktur verwenden. Möglich machen das lückenhafte Protokollstandards, mit denen Daten bewegt werden. „Beim SS7-Protokoll, das im 2G- und 3G-Netz genutzt wird, wird keine Authentifizierung abgefragt“, sagt Swantje Lange. Der 4G- und 5G-Standard, das Diameter-Protokoll, sieht zwar die Möglichkeit von Sicherungen über Authentifizierung und Verschlüsselung vor – vielfach wird dies aber schlicht nicht genutzt. Das Ergebnis: „Überwachungsanbieter können Signalisierungsabfragen senden, um beispielsweise festzustellen, mit welchem Mobilfunkmast ein Telefon aktuell verbunden ist“, erklärt Lange. „Das angegriffene Netz kann diese Anfragen nicht ohne Weiteres von legitimen unterscheiden.“

Unsichtbare SMS

Neben netzbasierten Standortabfragen identifizierten die Forschenden eine weitere Methode: unsichtbare Textnachrichten, die SIM-Karten direkt ausnutzen. Mobilfunkbetreiber verwenden normalerweise spezielle SMS-Nachrichten, um Netzwerkeinstellungen auf Geräten zu konfigurieren – diese Nachrichten werden von einer Anwendung auf der SIM-Karte verarbeitet, ohne dass Nutzende sie jemals sehen.

Überwachungsanbieter missbrauchen diesen Mechanismus, indem sie Befehle – etwa zur Abfrage von Standortdaten – in solche Nachrichten einbetten. Eine Anwendung auf der SIM-Karte führt den Code automatisch aus und sendet die angeforderten Informationen an den Angreifer zurück.

Quelle und Link zum Report: Hasso Plattner Institut

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